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Viele Familien sehen sich irgendwann mit der ebenso wünschenswerten wie herausfordernden Frage konfrontiert, wie das finanzielle Vermächtnis einer Generation auf die nächste übergehen soll.

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Dabei ist es, was die zu Grunde liegende Dynamik angeht, fast nebensächlich ob es sich um eine Doppelhaushälfte auf dem Land, einen Handwerksbetrieb, einen markführenden Mittelständler oder eine Stiftung handelt - ähnlich wie hundert Lieder völlig unterschiedlich klingen, aber letztlich das selbe besingen.

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Einerseits geht es ganz pragmatisch um die Frage, wer wie was übernimmt - was sich auf Eigentum genau so bezieht wie auf Rollen und Verantwortung. Juristische und steuerliche Sachverhalte treten auf den Plan, Berater werden konsultiert - die Sach-Ebene.

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Gleichzeitig betreten aber auch fundamental menschliche Bedürfnisse und Emotionen das Parkett. Wünsche nach wechselseitiger Wertschätzung und Anerkennung, Schritte des Loslassens und des Vertrauens, des Mutes und der Entschiedenheit.

 

Auf dieser Emotionalen Ebene geht es - im Wortsinn ganz natürlich - bei der Frage um die Nachfolge um uns als Menschen. Aus Unternehmern werden Senioren, aus Kindern werden Vermieter, Verwalter, Vorstände. Über Jahrzehnte gefestigte Rollenverständnisse sehen sich mit Veränderung konfrontiert und reagieren mitunter, ganz menschlich, mit Widerstand. Für alle Beteiligten gilt es, sich in neuen Lebensabschnitten zurecht zu finden. Senioren sehen sich, vielleicht erstmals, mit Vergänglichkeit konfrontiert. Nachfolger spüren Erwartungsdruck, innere Ansprüche, Verantwortung - Ressourcen wie Zeit und Energie müssen neu ausbalanciert werden ohne dass dabei Familie, Vermächtnis und Selbst zu kurz kommen. Die Emotionale Ebene entscheidet maßgeblich darüber, ob Generationenwechsel nachhaltig von Erfolg und Zusammenhalt oder von Zerwürfnissen und Ruin geprägt sind. 

"Was ist, darf sein. Was sein darf, kann sich verändern."

- Arnold Beisser

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Wird die Emotionale Ebene in der Frage um Übergabe und Nachfolge übergangen, bekommt ein ganz wesentlicher - nämlich der menschliche - Aspekt keinen Raum. Was da ist, aber nicht sein darf, macht sich andernorts Luft - Streitigkeiten um Geld oder Einfluss sowie scheinbares Nicht-Loslassen-Können sind die häufigste Konsequenz. Der Versuch, durch Regeln und Verträge für Frieden zu sorgen, mag zunächst gelingen - reduziert uns als Menschen aber auf Kognition und Ratio. Als ebenso emotionale Wesen reagieren wir häufig mit innerer Kapitulation und/oder Rückzug - wir erfüllen die Rolle nach Außen hin, fühlen uns im Innen jedoch unzufrieden und distanziert.

 

Der Preis dafür ist die Tiefe der Beziehung zwischen Eltern und Kindern - das, was Familie so einzigartig kräftigend macht wird zwangsläufig ebenso auf Ratio reduziert um die oft als fordernd empfundene Unterhaltung über "das, was ist" zu vermeiden.

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Dabei bietet ein Generationenwechsel für beide Seiten individuell sowie für das Familiensystem eine Chance des ehrlichen Austauschs, der gegenseitigen Wertschätzung, der Dankbarkeit und des Vertrauens. Eine gelungene Übergabe ermöglicht den Senioren, ihr Vermächtnis in kompetente, verantwortungsbewusste und motivierte Hände zu geben. Die Nachfolger erleben ihrerseits das Erschaffene als Rückenwind und einladende Chance, geprägt von der Freiheit, ihre eigene Handschrift zu entwickeln.

Letztlich geht es besonders bei der Übergabe weniger um den materiellen als um den emotionalen Besitz - bin ich Herr meines Vermögens oder diktiert das Vermächtnis über mein Leben?

 

Die größten Errungenschaften (oder Geschenke) in unserem Leben bleiben, unabhängig des finanziellen Hintergrundes, Gesundheit, Freiheit und Verbundenheit. Ein gelungener Umgang mit Vermögen und Vermächtnis muss sich daran messen lassen, alle Beteiligten in diesen Aspekten zu stärken.
 

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